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   "Das Atomkraftwerk Biblis B ist nicht für die am Standort möglichen Erdbeben ausgelegt""Das Atomkraftwerk Biblis B ist nicht für die am Standort möglichen Erdbeben ausgelegt""Das Atomkraftwerk Biblis B ist nicht für die am Standort möglichen Erdbeben ausgelegt"  [2011-03-13]
Diese Begrün­dung der auf Stil­le­gung zie­len­den Klage der Ärzte für die Verhü­tung des Atom­krie­ges (IPPNW) vor dem VGH Kassel stützt sich auf Er­kennt­nis­se der Reak­tor­sicher­heits­kommis­sion.

Die Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges Ärzte in sozialer Verantwortung e.V. (IPPNW) klagt von dem Hessischen Verwaltungsgerichtshof mit dem Ziel der Stillegung des Atomkraftwerk Biblis. Das Atomkraftwerk Biblis liegt in einem seismisch aktiven Gebiet. In näherer Umgebung ereigneten sich vor der Errichtung des Atomkraftwerks zwei Erdbeben mit einer Stärke, denen das Atomkraftwerk vermutlich nicht Stand halten würde.

Für die Erdbeben-Auslegungen Biblis B wurden nur Intensitäten bis VIII und maximale Bodenbeschleunigungen bis etwa 1,5 m/s2 berücksichtigt. Tatsächlich aber sind am Standort Erdbeben mit weitaus größeren Intensitäten bzw. Bodenbeschleunigungen (bis 3,0 m/s2 und mehr) möglich.

Die Arbeitsgruppe „Seismologie“ der Reaktorsicherheitskommission hält es für „sachgerecht“, mit Erdbeben mit Magnituden bis ML = 6,1 bzw. entsprechend mit Intensitäten bis IO = IX zu rechnen. Die Reaktorsicherheitskommission hält es demnach für sachgerecht, 84% aller zu erwartenden Erdbeben zu berücksichtigen. Die Atomaufsicht des Landes Hessen verwendet ein „Bemessungserdbeben“, welches in seiner Stärke nur 50% statt dieser 84% aller in Biblis zu erwartenden Erdbeben abdeckt.

Auch nach dem Grundsatz des Kalkar-Urteils, wonach eine "bestmögliche" Gefahrenabwehr und Risikovorsorge nach dem Stand von Wissenschaft und Technik zu gewährleisten ist, ist die Verwendung der nicht konservativen 50-%-Fraktile fehlerhaft. Nach der Kerntechnischen Anleitung KTA 2201 ist ein Atomkraftwerk gegen ein Erdbeben mit der größtmöglichen Intensität auszulegen.
Das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz hat die Stilllegung des Atomkraftwerks Mülheim-Kärlich damit begründet, dass die Verwendung der 50-%-Fraktile nicht konservativ ist. Das Urteil wurde durch eine Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts rechtskräftig.

Eine "bestmögliche Gefahrenabwehr und Risikovorsorge" nach dem Stand von Wissenschaft und Technik ist nach Bewertung der IPPNW in Biblis „insofern nicht gewährleistet. Ein einziger Erdstoß im seismisch aktiven Oberrheingraben kann in Biblis zum Super-GAU führen.“
http://www.ippnw.de/ ...

Auszug aus der Klagebegründung von IPPNW:

„1. Maßgebende historische Erdbeben

Das Atomkraftwerk Biblis steht in einem der seismisch aktivsten Gebiete Deutschlands, dem Oberrheingraben.
1952 kam es – weniger als 20 km vom Standort Biblis entfernt – bei Ludwigshafen/ Worms zu einem mittelschweren Erdbeben:
Magnitude ML = 5,1, Intensität entsprechend ca. I0 = VII.

Rund 80 Jahre zuvor, im Jahr 1871, bebte die Erde im rund 15 km von Biblis entfernten Lorsch vergleichbar stark: Intensität I0 = VII; Magnitude entsprechend ca. ML = 5,2.

Weitere schwere Erdbeben ereigneten sich im Oberrheingraben beispielsweise (in den Jahren) 858, 1445 und 1733 im 34 km entfernten Mainz, 1869 im 24 km entfernten Groß-Gerau, 1952 im 96 km entfernten Seltz und 1728 im rund 99 km entfernten Rastatt. Die Erdbeben von Rastatt 1728 und Seltz 1952 werden mit ML = 5,3 bzw. ML = 5,3 sowie mit jeweils I0 = VII-VIII angegeben.

Das stärkste bisher beobachtete tektonische Erdbeben im Bereich des mitteleuropäischen Schollenlandes war das berühmte Erdbeben von Basel im Jahre 1356. Diesem Erdbeben wird heute im allgemeinen eine Intensität von I0 = X zugeordnet.

Zwischen 1800 und 1970 ereigneten sich in der Bundesrepublik Deutschland insgesamt 35 Erdbeben mit Intensitäten zwischen VII und VIII, vorwiegend im Oberrheingebiet (Standort Biblis) und im Niederrheingebiet sowie im Raum Bodensee-Neckar. Demnach ereignete sich in diesem Zeitraum in Westdeutschland im Durchschnitt alle 5 Jahre ein schweres Erdbeben, wobei das Oberrheingebiet zu den besonders betroffenen Gebieten gehörte.

Im Umkreis von 25 km um den Standort Biblis ereigneten sich zwischen 1790 und 1998 insgesamt 105 Erdbeben mit Intensitäten von wenigsten I0 = II-III. Die meisten der Beben hatten Intensitäten im Bereich I0 = IV bis I0 = V. Einige erreichten I0 = VI bzw. I0 = VI-VII (neun Beben) oder gar I0 = VII (zwei Beben). Im Schnitt ereignete sich in der Nahumgebung von Biblis durchschnittlich alle zwei Jahre ein Erdbeben. Seit der Inbetriebnahme des Atomkraftwerks kam es bisher nicht wieder zu einem stärkeren Beben im Bereich von I0 = VI bis I0 = VII.

Seit der Inbetriebnahme von Biblis A im Jahr 1975 (Biblis B 1977) bis 1998 gab es in der Nahumgebung um das Atomkraftwerk 25 km insgesamt 28 schwächere Erdbeben mit Magnituden zwischen ML = 1,1 und immerhin ML = 3,4 (Worms 1985 und Lorsch 1977).
Im Jahr 1975 ereignete sich direkt in Biblis ein Erdbeben mit der Magnitude ML = 2,4.

Betrachtet man einen Umkreis von 230 km um den Standort und einen Zeitraum von 823 bis 1984, dann ereigneten sich insgesamt 92 schwerere Erdbeben mit Magnituden ML ≥ 4,7 (Intensitäten von mindestens I0 = V). Ein Großteil der Beben weist Intensitäten von mindestens I0 = VII auf. Nach der Inbetriebnahme von Biblis A und Biblis B kam es in der kurzen Zeit zwischen 1975/77 und 1984 zu vier Erdbeben mit Magnituden ML = 4,7 (2x), ML = 4,8 bzw. ML = 5,7, deren Epizentrum aber jeweils mehr als 110 km entfernt lag.

Die große Anzahl an schwächeren und stärkeren Erdbeben in der engeren wie größeren Umgebung von Biblis, wie auch in Biblis selbst, zeigt, dass es in der Nähe von Biblis jederzeit zu einem schwereren Erdbeben kommen kann. Das Erdbeben von Lorsch, das sich vor der Inbetriebnahme des Atomkraftwerks ereignete, war nur 15 km entfernt, hatte eine Intensität I0 = VII und somit schätzungsweise Bodenbeschleunigungen zwischen 0,7 und 2,2 m/s.

Wie die Geschichte zeigt, kann sich jederzeit ein noch stärkeres Erdbeben in der Nähe von Biblis ereignen. Zuverlässige Prognosen über die Herdverteilung und Stärke zukünftiger Erdbeben sind nämlich unmöglich. Beispielsweise hat man die westliche Schwäbische Alb vor gut 100 Jahren als erdbebenfrei angesehen; doch gerade dort traten im vergangenen Jahrhundert die stärksten Erdbeben in Deutschland auf.“

http://www.ippnw.de/ ...

IPPNW Aufruf zu einem Appell an den VGH Kassel

Der Hessische Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Kassel lässt sich mit der Biblis-Klage der atomkritischen Ärzteorganisation IPPNW viel Zeit. Das Hessische Umweltministerium verzögert das Verfahren durch Verweigerung voller Akteneinsicht. Die Ärzteorganisation will dem VGH Kassel das öffentliche Interesse an dieser Klage und an einer Stilllegung des Atomkraftwerks Biblis durch E-Mails vieler Bürgerinnen und Bürger deutlich machen. Diese Linkführt Sie zu der aktuellen Email-Aktion der IPPNW.

http://www.ippnw.de/ ...

Von Rechtsanwalt Matthias Möller-Meinecke, Fachanwalt für Verwaltungsrecht


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